Eine Trauerrede selbst halten

Warum immer mehr Angehörige diesen Weg wählen

Der Abschied von einem geliebten Menschen gehört zu den schwersten Momenten unseres Lebens. Gleichzeitig entsteht bei vielen Angehörigen der Wunsch, bei der Trauerfeier nicht nur zuzuhören, sondern selbst einige Worte zu sprechen. Schließlich kennt niemand den Verstorbenen besser als die Menschen, die ihn geliebt, begleitet und mit ihm gelebt haben.

Doch zwischen dem Wunsch und der Umsetzung liegt oft eine große Hürde: Wie schreibt man eine Trauerrede? Viele Angehörige berichten mir von denselben Gedanken:

„Ich möchte etwas sagen, aber ich weiß nicht, wie ich anfangen soll.“

„Was, wenn ich vor lauter Emotionen den Faden verliere?“

„Wie kann ich einem ganzen Leben in wenigen Minuten gerecht werden?“

Diese Unsicherheit ist völlig normal. Eine Trauerrede ist keine Präsentation und kein Vortrag. Sie entsteht aus Erinnerungen, Gefühlen und gemeinsamen Erlebnissen. Genau deshalb fällt sie vielen Menschen schwer. Als Trauerredner habe ich viele Abschiede begleitet. Dabei habe ich erlebt, dass eine Rede eines Angehörigen oft eine ganz besondere Wirkung entfalten kann. Wenn eine Tochter über ihren Vater spricht, ein Ehemann von seiner Frau erzählt oder ein Enkel Erinnerungen an seine Großmutter teilt, entsteht eine Nähe, die kein Außenstehender herstellen kann. Die Worte müssen dabei nicht perfekt sein. Oft sind es gerade die kleinen Geschichten, die ein Lächeln auf die Gesichter der Trauergäste zaubern.

Wenn die Kosten eine Rolle spielen

Leider beobachte ich in den letzten Jahren eine Entwicklung, die mich nachdenklich macht. Immer mehr Familien stehen vor finanziellen Herausforderungen. Die Kosten einer Bestattung sind erheblich gestiegen. Gleichzeitig müssen viele Menschen ihr Budget sorgfältig planen. Manche verzichten deshalb ganz auf eine persönliche Trauerfeier. Andere entscheiden sich für eine anonyme Bestattung. Wieder andere wünschen sich zwar einen würdevollen Abschied, können jedoch die Kosten einer umfassenden Begleitung nicht tragen. Das ist verständlich – und zugleich traurig. Denn jeder Mensch verdient es, dass seine Geschichte erzählt wird.

Eine Alternative: Die Trauerrede schreiben lassen

Genau aus diesem Gedanken heraus biete ich Angehörigen an, ihre Trauerrede professionell schreiben zu lassen. Dabei erzählen mir die Angehörigen von dem Menschen, von dem sie Abschied nehmen. Wer war er? Was hat ihn besonders gemacht? Welche Erinnerungen sollen bleiben? Aus diesen Gesprächen entsteht eine individuelle Rede, die anschließend von einem Familienmitglied oder Freund selbst vorgetragen werden kann.

So verbinden sich zwei wichtige Dinge:

  • die persönliche Stimme eines Angehörigen

  • die Sicherheit eines professionell geschriebenen Textes

Viele Menschen haben Angst, während der Rede emotional zu werden.Dazu möchte ich etwas sagen: Das ist nicht schlimm. Niemand erwartet bei einer Trauerfeier Perfektion. Tränen zeigen keine Schwäche. Sie zeigen Liebe. Und oft sind genau diese Momente die ehrlichsten und berührendsten eines Abschieds.

Mein Wunsch

Nach vielen Jahren als Redner bin ich überzeugt: Ein Abschied sollte nicht davon abhängen, ob jemand geübt im Sprechen ist. Und er sollte auch nicht allein vom Budget abhängen. Wenn Angehörige selbst sprechen möchten, sollten sie die Möglichkeit dazu haben – mit den richtigen Worten und der nötigen Unterstützung. Denn am Ende geht es nicht um eine perfekte Rede. Es geht um einen Menschen. Um sein Leben. Und darum, ihm noch ein letztes Mal eine Stimme zu geben.

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Was bleibt sind Geschichten - Trauerreden ganz persönlich.